Blick über den Palast von Phaistos
Nach Knossos ist dies der mit einer Fläche von 8.400 m² zweitgrößte minoische
Palast auf Kreta. Bereits im dritten Jahrtausend v. u. Z. wurde hier mit der
Besiedlung begonnen, um das Jahr 2000 entstand sodann der Palast. Der Legende
nach war der Gründer einer der drei Söhne, die Zeus mit der Prinzessin Europa
zeugte – Rhadamanthys, der jüngere Bruder des Minos. Sogar in der Ortsnamenliste
im Tempel des Amenophis III. ist Phaistos (als bajšata) erwähnt.
Der Ort findet sich in der Messara-Ebene, etwa 55 Kilometer südlich von Heraklion, und ist von dort aus auch mit dem Bus erreichbar. Gortyn ist übrigens fast „nebenan“, sodass sich beide Stätten bequem an einem Tag besuchen lassen. Auf Wunsch auch mit einem Bad am Strand von Matala als Abschluss.
Ein besonderes Fundstück dieser Ausgrabung war der Diskos von Phaistos, der sich derzeit im Archäologischen Museum in Heraklion befindet. Diese Scheibe aus gebranntem Ton ist eines der bedeutendsten Fundstücke aus der Bronzezeit. Die spiralförmig angeordneten Menschen-, Tier- und Pflanzenmotive wurden nicht etwa „händisch geschnitzt“, sondern mit einzelnen Stempeln „gedruckt“ – ist also somit das älteste bekannte Druckerzeugnis. Bislang wurde kein weiteres Fundstück dieser Art zutage gefördert. Es gibt bis heute keine unbestrittene Erklärung zu seiner Bedeutung, Herkunft, Leserichtung, oder was die Vorder- bzw. Rückseite ist. Von einer Deutung oder Übersetzung einmal ganz abgesehen.
Phaistos gehört zu den wichtigsten archäologischen Stätten Kretas. Daher hat es mich stark verwundert, dass kaum noch ein Reisebüro eine Tour dorthin anbietet.