Im Palast von Knossos
Knossos ist die wohl bekannteste archäologische Stätte Kretas und gehört, so
man den Reiseführern glauben mag, zu den touristischen Höhepunkten und dem
Pflichtprogramm eines jeden Kreta-Besuchers. Vorgewarnt durch "unseren"
Professor an der Palastanlage von Malia, wollten wir uns dieses "Highlight"
als abschreckendes Beispiel nun auch antun, und wurden dabei sogar positiv
überrascht.
Entgegen unseren Befürchtungen (und denen des o. g. Professors) wurde das Werk Sir Arthur Evans' hier nicht als das "non-plus-ultra" dargestellt, sondern durchaus kritisch betrachtet. Dennoch brachte uns erwartungsgemäß so manche Erklärung der Guides zum Schmunzeln, waren wir doch bereits hinlänglich auf die wichtigsten Details vorbereitet…
Nachdem die Schlange an der Kasse (Eintritt 6 Euro pro Person) absolviert war, trafen wir im Innenhof auf die Wegelagerer, die nochmals Zoll kassieren wollen: "English? Deutsch? Sie möchten eine Führung?" 9 Euro sollte dies nochmals zusätzlich kosten. Wir lehnten dankend ab: "Unser Professor hat uns genügend Material mit gegeben". Half nichts: "Okay, Sie bekommen den Studentenpreis: 5 Euro". Nun, was soll's, dachten wir uns: amüsieren wir uns halt über diese Vorstellung.
Betonplatten über Teilen der Ausgrabung gefährden die Substanz
Sir Arthur Evans, der die Ausgrabungen hier geleitet hat, hatte so seine
eigenen Vorstellungen (und eine rege Fantasie). Um die Ausgrabung vor dem
Regen zu schützen, legte er über weite Teile Beton –- und genau dieser Beton
gefährdet nun das Ganze, da er schwer auf dem Mauerwerk lastet. Das ließ sich
wohl zu seiner Zeit noch nicht übersehen.
Restauration à la Evans
Während man ihm die Betonplatten trotz ihres Gewichtes kaum zur Last legen
kann, trifft dies auf seine Restaurationsbemühungen teilweise durchaus zu. Aus
heutiger Sicht erstellt man lieber ein Modell zur Veranschaulichung, anstatt
das Original zu verändern. Noch schwerer wiegt allerdings die Tatsache, dass
Evans Mauern, die nicht in sein Konzept passen, schlichtweg entfernen ließ!
Von diesen Vorwürfen einmal abgesehen, kann Knossos dank der Arbeit von Sir Arthur Evans jedoch durchaus ein sehr gutes Bild davon vermitteln, wie ein solcher Palast einmal ausgesehen haben könnte. Bilder davon gibt es nämlich leider nicht – und auch die minoische Schrift ist bis zum heutigen Tage noch nicht entschlüsselt.
Als größte und bedeutendste Palastanlage aus minoischer Zeit auf Kreta ist
Knossos also durchaus einen Besuch wert. Es sollte jedoch nicht jedes Wort auf
die Goldwaage gelegt werden: dem interessierten Besucher sei fundierte
Hintergrundliteratur (oder ein guter Prof für Erklärungen) an's Herz gelegt.