Ein Teil der Ausgrabungen ist zum Schutz überdacht
Auch wenn diese Ausgrabungsstätte in den Reiseführern hinsichtlich ihrer
Bedeutung auf Kreta erst an dritter Stelle gennant wird, ist ihr Besuch meines
Erachtens wertvoller als der von Knossos. Jedenfalls sofern die Führung von
dem gleichen Archäologie-Professor durchgeführt wird, den wir dort erleben
durften: es war die lebendigste und informativste Führung überhaupt.
Neben zahlreichen Hintergrund-Informationen zur minoischen Epoche, von ihrem
Beginn bis zu ihrem Untergang, wurden auch verschiedenste andere Facetten
des Lebens zu jener Zeit von unterschiedlichsten Seiten beleuchtet. Obwohl
unser Guide klar Stellung bezog, ging er auf die Pros und Kontras der anderen
Darstellungen sowie auch auf alle von uns Besuchern gestellten Zwischenfragen
ein. Und dabei hatte er eine erfrischende und lebendige Art, das Wissen selbst
für absolute archäologische Laien interessant und verständlich zu vermitteln.
Karte der Palastruinen
Wofür sich der Palast von Malia offensichtlich wunderbar eignet: auch wenn die
Bewohner Malias in der Zeit vor der Ausgrabung häufig die "wunderbaren Steine",
die sie auf ihren Äckern fanden, für den Bau ihrer Häuser mit nach Hause
genommen haben (die Palastanlage befand sich fast direkt an der Oberfläche),
verblieb dennoch genügend Material, um verschiedenste Sachen aufzuzeigen.
So läßt sich zum Beispiel den Fakt, dass der Palast durch einen Brand zerstört
wurde, sehr gut anhand der Tatsache belegen, dass Flächenweise Ziegel und
Mörtel zu Terrakotta gebrannt ist. Nebenbei (von unserem Professor) bemerkt
hakt die Theorie, die minoische Kultur sei mit der Zerstörung aller Paläste
aufgrund der Flutwelle, die durch den Vulkanausbruch auf Santorini um 1600
v. u. Z. ausgelöst wurde, untergegangen schon daran, dass aufgrund der Gebirge
auf Kreta eben diese Flutwelle die Paläste im Süden der Insel (Festos) nie
erreicht hat. Sehr viel wahrscheinlicher ist hier ein heftiges Erdbeben,
welches dann wohl auch Brände (wie hier in Malia nachweisbar) verursacht haben
könnte – oder eine Eroberung durch die Dorer. Mit Sicherheit durch den
beschriebenen Vulkanausbruch zerstört bzw. verschüttet wurde jedoch die
minoische Stadt Akrotiri auf Santorini selbst – doch dazu an
anderer Stelle mehr.
Mannshohe Vase
Eroberer dürften es hier leicht gehabt haben: nirgendwo wurden minoische
Befestigungsanlagen gefunden. Die Paläste gingen nahtlos in die umgebenden
Städte über: Revolutionen oder Angriffe von außen schien man also nicht
befürchten zu müssen. Problematischer waren hingegen die häufigen Erdbeben,
die sich auch nicht an den Jahreszeiten orientierten. So kann man mehrere
Bauphasen erkennen, von denen einige flüchtig ("auf die Schnelle erstellt")
erscheinen (wohl, da das Erdbeben während der Regenzeit im Winter stattfand,
und die Schäden schnell behoben werden mussten), während andere sehr gründlich
und sauber ausgeführt wurden.
Kurzum, und wie schon oben bemerkt: eine gründlichere Erklärung bekamen wir bei
keiner Führung. Die zahlreichen Hinweise auf andere Ausgrabungen wie Knossos,
Festos, Gournia und Akrotiri machten uns so richtig neugierig auf mehr. Hier
ist also ein guter Start für eine Reise auf den Spuren der Minoer!
Überdachte Ausgrabungen am Malia Palace
Blick über das Ausgrabungs-Gelände des Malia Palace