Das Odium von Gortyn
Gortyn (Γορτύν; auch Gortina (Γόρτυνα) oder neugriechisch Γόρτυς Gortys) liegt nahe
bei Festos. Der Ort war bereits in minoischer Zeit
besiedelt, und sogar im zweiten Gesang der Ilias als "festummauert" erwähnt. Im
Jahre 67 v. u. Z. erklärten die Römer Gortyn zur Hauptstadt der römischen Provinz Creta.
Recht gut erhalten ist das römische Odium, ein eher kleines Theater. Als besonderes Highlight darf sicher „die Große Inschrift von Gortyn“ (Stadtrecht von Gortys) gelten: Ein Gesetzescodex in Stein, der nahezu vollständig erhalten ist. Die Inschrift geht auf das 5. Jhd. v. u. Z. zurück, und ist in einem dorischen Dialekt verfasst. Geschrieben wurde „wie man ein Feld pflügt“ – also abwechselnd von rechts nach links und wieder zurück. Er gilt als ältester Gesetzescodex Europas. Für viele überraschend werden hier den Frauen viele Rechte zuerkannt, etwa im Rahmen des Ehe- und Familienrechts – was etwa in Athen oder Rom undenkbar gewesen wäre. Vermutlich sind hier noch Reste des Matriarchats zu erkennen, bzw. Traditionen aus minoischer Zeit.
Ebenfalls hier zu finden: Reste einer frühchristlichen Basilika aus dem 6. Jahrhundert,
dem Heiligen Titus geweiht. Die Große Labyrinth-Höhle bekamen wir leider nicht zu Gesicht.