Gournia: Ruinen einer minoischen Stadt
Vermitteln Malia, Knossos und Festos ein gutes Bild minoischer Paläste, so
läßt sich in Gournia ein Eindruck einer gesamten minoischen Stadt gewinnen.
Hier wird auch besonders deutlich, was ich bereits zum Palast von Malia schrieb:
Die Paläste sind nach außen nicht abgeschottet, sondern nahtlos in's
Stadbild eingebunden und für jeden offen.
Auffallend sind die schmalen Sträßchen sowie die kleinen Räume. Es drängt sich
förmlich die Frage auf, ob die Menschen damals besonders klein gewesen seien.
Dies ist aber nicht der Fall: so wurden in Nekropolen zahlreiche Skelette
gefunden, die belegen, dass Mensch auch in minoischer Zeit ca. 1,55 bis 1,70 m
groß war. Wie man jedoch in so kleinen Räumen leben konnte, bleibt dem
Betrachter ein Rätsel. Nicht jedoch zwangsläufig dem Archäologen. Der schließt
aus dem dicken Mauerwerk auf die Statik und daraus auf die Obergeschosse der
Häuser: im Erdgeschoss, welches ja als einziges noch "sichtbar" ist, sollen
In den Gassen von Gournia
sich demzufolge nur die Werkstätten befunden haben, während man im
Obergeschoss wohnte. Dafür spricht auch, dass sich dies in vielen alten Dörfern
Kretas teilweise noch bis auf den heutigen Tag so verhält.
Das Gelände ist recht weitläufig, und man sollte für die Besichtigung
zumindest eine halbe Stunde einplanen - nicht zuletzt, um die Eindrücke auf
sich wirken zu lassen. Wie auch später bei der Zeus-Höhle (siehe "Dikteo Andro"
im Abschnitt "Locations") scheint es bei den Kassierern diverser Stätten
normal zu sein, sich mit dem Telefon platte Ohren zu holen: als wir hinein
wollten, wurde gerade telefoniert, und als wir heraus kamen, immer noch (oder
schon wieder?). Dienstgespräche waren es offensichtlich nicht... Hier jedoch
konnte die Kassiererin die Tickets auch während des Telefonates aushändigen.
Dazu gibt es einen kleinen Flyer, der (u.a. mit einer Karte) durch die
Ausgrabung führt und ihre Hintergründe kurz erklärt.