Die Auftragslage ist mies, alle Entscheidungsträger sind verreist. Es gibt eigentlich nichts zu tun, was dem Einkommen dient. Was liegt da näher, als die Location zu wechseln, und sich in angenehmere Gefilde zu begeben? Kurz entschlossen haben wir also einen Urlaub auf Kreta gebucht. Das war die einzige Reise, die mit einer Vorlaufzeit von einer Woche noch zu bekommen war. Im Nachhinein muss ich sagen: das war auch gut so! Also machte ich mich mit Erik am frühen Nachmittag des 17. August 2003 auf den Weg zum Flughafen.
Alexander Beach
Kurz vor 23 Uhr erreichten wir dann unser Hotel im Zielgebiet: das
"Kyknos Hotel" in
Malia. Für große Unternehmungen war es
natürlich nicht mehr die richtige Uhrzeit, und so "erforschten" wir zunächst
die nähere Umgebung (Beach-Road), entdeckten mit dem
Sofokles sogleich unsere
Stammbar für die kommenden Tage, und begaben uns sodann in's Bett.
Auch den nächsten Tag nutzten wir zunächst, um uns mit unserer neuen
Umgebung vertraut zu machen und uns zu akklimatisieren. Wenn schon Urlaub am
Mittelmeer, dann auch baden in selbigem, sagten wir uns - und begaben uns zum
nächstgelegenen Strand, dem "Alexander Beach". Dieser gehört zum
gleichnamigen (4-Sterne-) Hotel und ist sehr steinig, gefiel uns also nicht
so besonders. Zu unserer Enttäuschung hing auch die "gelbe Fahne" am Strand:
Das heißt "Baden auf eigene Gefahr". Wer wissen will, was genau das heißt,
der wende sich am besten an Erik - der gibt (sicher ungern) einen
ausführlichen Bericht davon, wie das Meer so schmeckt, wieviel man davon
Küste vor Malia
verträgt, und wie man mit Hilfe eines guten Freundes wieder aus selbigem
heraus findet. Angeblich soll das Meer um Kreta so schön ruhig sein -
offensichtlich aber nur, wenn wir nicht da sind. In den nächsten Tagen sollte
die Fahne nämlich gar auf "rot" wechseln, will heißen: "Baden und Wassersport
verboten"...
Zum Glück bietet Kreta mehr als nur Wasser, und so machten wir uns am späten
Vormittag des 19. August zu Fuß auf den Weg zum
Palast von Malia. Was das Schätzen
von Entfernungen angeht, so scheinen die Kreter darin nicht gerade besonders
begabt: der Weg zum Palast wurde uns mit verschiedensten Maßen angegeben, die
von "10 Minuten die Beach-Road entlang", über "eine halbe Stunde" bis zu "ca.
5 Kilometer" reichten (was diese Angaben angeht, lernten wir später noch mehr
dazu). Wir benötigten für diese Strecke fast 1,5
Der Palast von Malia
Stunden; 7 Kilometer sollte also eine etwa korrekte Angabe sein: die
Ausgrabung befindet sich nämlich auf der anderen Seite der Stadt.
Es zeigte sich jedoch, dass der Weg sich durchaus gelohnt hat. Beim nächsten Mal wissen wir zwar, dass wir besser den Bus nehmen (der fährt auf der "National Road", die parallel zur "Beach-Road" verläuft, und hält auch direkt an der archäologischen Stätte). Durch den Fußweg kannten wir doch nun auch schon die Beach-Road in dieser Richtung, und wussten überdies ebenfalls, wo sich die "Halli-Galli-Meile" befindet. Darüber hinaus war die Führung durch die Ausgrabung einmalige Spitze (siehe dazu "Malia" im Abschnitt "Excavations"), und auch die landschaftlichen Ausblicke jenseits der Touristen-Meile(n) waren durchaus eindrucksvoll.
A propos "Halli-Galli-Meile": Diese nahmen wir am Abend nochmals in
Augenschein. Ab ca. 22 Uhr sollte ja hier das Leben pulsieren - naja, oder
das, was manche so als Leben bezeichnen. Für uns war es ein "vorwärts rein,
und rückwärts wieder raus". Diskos und Bars sind in manchen Gegenden
offensichtlich wirklich eine Welt für sich: Kaum auf dieser "Lastermeile"
angelangt, wurden wir auch bereits vor fast jeder Bar angequatscht. Die
Palette reichte vom gewöhnlich-aufdringlichen "Please, here, first drink for
free" und "...first two drinks half price" der Kellner über "Where are you
drinking tonight" bis zur direkten Aufforderung, die Animierdame doch zum
Besäufnis auszuhalten. Diese Angebote haben wir allesamt dankend abgelehnt.
Als uns dann noch gleich ein ganzes "Rudel" Bond-Girls (allesamt mit pinkem
"007" T-Shirt) von der einen und ein ähnlicher männlicher Buchstabensalat von
der anderen Seite über den Weg liefen, verließen wir schleunigst das Areal...