Eingangspforte zum Kloster
Um 1100 gegründet, ist Kykkos zwar nicht das älteste – wohl aber das reichste und einflussreichste Kloster Zyperns. Zahlreiche Feuersbrünste haben die Anlage über die Jahrhunderte hinweg heimgesucht; der derzeitige Bau stammt daher aus dem Jahr 1831. Nur 10 Jahre zuvor wurde das Kloster von den Türken gründlich geplündert (angeblich waren es 16 Kamelladungen an Gold, Silber, Edel- und Halbedelsteinen, die sie abtransportierten – nicht ohne zuvor den Erzbischof sowie alle Bischöfe der Insel zu exekutieren). Der kostbarste Besitz jedoch blieb erhalten: Eine Marien-Ikone, die der Evangelist Lukas gemalt haben soll. Sie war ein Geschenk des byzantinischen Kaisers Alexius I. Komnenos (1081-1118) aus Dankbarkeit für die Heilung seiner Tochter durch den Mönch Isaias.
Trotz der großen Plünderung ist Kykkos noch immer das reichste Kloster: Die Mönche wurden nicht von "modernen Bankern der Lehmann Brothers" beraten, und so steckt ein Großteil des Reichtums weder im Aktiendepot noch im Safe – sondern in Grundbesitz und Immobilien auf der ganzen Insel. Was nicht zuletzt daher rührt, dass viele Orthodoxe Gläubige ihr Land dem Kloster übereigneten – oft einfach, um keine Erbschaftssteuer an die Türken entrichten zu müssen, oder um andere Steuern bezahlen zu können.
Weitere Teile des Reichtums lassen sich im Klostermuseum bewundern: Silbernes und goldenes Kirchengerät, kunstvoll bestickte Gewänder und Ornate, sowie weitere Kostbarkeiten. Prächtige und farbenfrohe Mosaike und Fresken an den Wänden und Decken der Räume und Gänge des Klosters nicht zu vergessen.
Grab des Erzbischofs Makarios III.
Für die Griechisch-Orthodoxen ist Kykkos so etwas wie eine Mischung aus
Jerusalem und Chabad für Juden: Zum einen ein bedeutender Wallfahrtsort – zum
anderen eine Organisation, die sich weltweit um religiöse und kulturelle
Belange kümmert. In Zeiten der Fremdherrschaft trug Kykkos wesentlich dazu bei,
den zypriotischen Hellenismus zu bewahren.
Erzbischof Makarios III., der erste Präsident Zyperns, war in diesem Kloster
Novize; deswegen und auf seinen persönlichen Wunsch wurde er auch hier
beigesetzt. Während die Gräber von Mönchen normalerweise für die Öffentlichkeit
nicht zugänglich sind, kommt in seinem Fall zum tragen, dass er als Präsident
auch weltlicher Würdenträger war – sodass diese Restriktionen hier nicht gelten.
Sein Grab findet sich etwa zwei Kilometer vom Kloster entfernt auf dem Berg
Throni (Thron Unserer Lieben Frau).