Roque Bentaiga
Auch hier war mal wieder ein Vulkan am Werk - allerdings ist das schon ca. 3
Millionen Jahre her, so man den Wissenschaftlern glaubt. Auf 1404m ist der Berg
dabei angewachsen - lange nicht der Höchste Berg auf Gran Canaria, aber sicher
einer der schönsten. Für die Guanchen war es gleichermaßen ein heiliger Ort (
eine sogenannte almogarén, d.h. rituelle Kult- und Opferstätte) und
eine Befestigungsanlage. Fruchbarkeitssymbole waren an die Wände einiger
Höhlen gemalt, und hier wurden auch erstmals Beispiele altkanarischer Schrift
gefunden, die sich einer Art lybisch-berberischen Alphabets bediente.
Historischen Aufzeichnungen zufolge fand an diesem Berg 1483 eine Schlacht zwischen den altkanarischen Ureinwohnern und den spanischen Eroberern statt: Erstere waren nach ihrer Niederlage bei Ajodar hierher geflohen. Die Spanier versuchten sie auszuhungern; dafür wurden sie jedoch mit einem Felshagel bestraft, der zahlreiche Todesopfer zur Folge hatte. Nur mit Hilfe der übergelaufenen Kanarier unter ihrem zum Christentum konvertierten König Tenesor Semidan errangen die Spanier hier einen erneuten Sieg, und die Guanchen zogen sich zu ihrer letzten Festung Fortelezza Grande bei Santa Lucia zurück.
Landschaft am "Fuße" des Berges
Der Weg zum Roque Bentaiga ist gut ausgeschildert. Mit dem Auto kommend,
leiten einen die Wegweiser direkt zu einem Parkplatz, an dem mit dem Aufstieg
begonnen werden kann. Hier findet sich auch eine kleine Ausstellung in
schattigen Räumen - der Aufbau lässt vermuten, dass man zumindest in der
Vergangenheit hier auch eine Erfrischung zu sich nehmen konnte: Bei unserem
Besuch war diese Einrichtung jedoch leer, und die Ausstellung gratis zu
besichtigen.
Das Wort bentaiga stammt von den Altkanaren und bedeutet soviel wie "mit dem Blick von oben herab" (behaupten die einen - die anderen behaupten, es hieße "heiliger Berg" oder "geheimer Platz"). Und von oben herab hat man hier auch rundum einen super Ausblick: Natürlich schaut man zum Roque Nublo hinauf, schaut auch auf zahlreiche andere Gipfel und in die Caldera hinein. Der Aufstieg selbst dauert ca. eine halbe Stunde, und sollte mit festem Schuhwerk getätigt werden - erst recht, wenn man bis ganz oben hinauf möchte, um die Kultstätte sowie die Höhlen in Augenschein zu nehmen. Hier wird der Weg etwas beschwerlicher, bis schließlich eine Treppe die letzten Schritte zur Kultstätte hinaufführt.